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PRESSE

Mi. 31.08.16

Ältestes Bauernhaus des Allgäus kommt ins Freilichtmuseum nach Illerbeuren

Illerbeuren. Ein im Erscheinungsbild recht unauffälliges Allgäuer Bauernhaus in Stölzlings bei Kempten, schön gelegen auf einer Hügelkuppe vor dem Panorama der Alpen, rückt ins Rampenlicht. Niemand hätte vermutet, dass sich unter der recht gewöhnlichen Fassade des 19./20. Jahrhunderts ein echte Sensation verbirgt. Der Abbruchantrag für einen neuen, EU-konformen Milchstall führte 2014 zu einer Sondierung durch das Landesamt für Denkmalpflege: Zu Tage kam das älteste bislang bekannte Bauernhaus des Allgäus.

Über 500 Jahre schon wird hier in Freud und Leid gelebt und gearbeitet. Die Jahresringuntersuchungen der Balken in Stubendecke und einzelnen Wandteilen belegen das Jahr 1467. Der Dreißigjährige Krieg und die darauffolgenden Jahrhunderte haben in Schwaben kaum ein Haus übriggelassen, das weiter zurückginge als bis ins 17. Jahrhundert. Was man sonst allenfalls für die Städte kennt, wir hier auch für das Land möglich: Ein Blick in die Lebensumstände der Bauern im Mittelalter. Damit nicht genug: Ein besonderer Umstand macht dieses Haus in der Tat einzigartig: Erste Archivrecherchen legen die Vermutung nahe, dass es sich bei jenem Ulrich Egger, der 1526 das Anwesen bewirtschaftete, um den selben handelt, der auch den (zweiten) Memminger Vertrag mitunterzeichnete – einem überregional bedeutsamen Vertrag zwischen dem Kemptener Fürstabt und seinen aufständischen Untertanen, der hier in der Region den Bauerkrieg beendete und für die Bauern wesentliche Erleichterungen brachte. Dieser direkte, persönliche Bezug zu den Bauernkriegen – der authentische Ort der Stube, als Schauplatz von politischen Diskussionen und schwerwiegenden, in der damaligen Situation für die Bauersfamilie wohl sogar lebensbedrohlichen Entscheidungen sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, darf zurecht als einmalig angesehen werden. Die Jahrhunderte brachten den Wandel,  auch für den Hof: 1662 kam ein gemauerter Keller, wohl ein Webkeller, hinzu, 1790 eine größere Renovierung, die ihren Niederschlag insbesondere in zahlreichen verlorenen Münzen fand, die bei einer archäologischen Grabung, neben verrosteten Löffeln, Knöpfen und Schnallen, unter dem Fußboden entdeckt wurden.

1870 erfolgte die Erhöhung des Dachstuhls  und 1938 ein Umbau von dem heute noch ein "Grüß Gott" am Terrazzoboden im Eingangsbereichs berichtet: Vom Mittelalterlichen Kern des Hauses war nicht mehr viel zu sehen.

In den 1960er Jahren wurde schließlich ein neuer Wirtschaftstrakt gebaut. Dem Zeitgeist entsprechend kam ein neues, separates Wohnhaus, mit deutlich mehr Komfort dazu. Das alte Haupthaus diente noch dem Altbauern als Austragshaus, bevor es zum Schluss als Lager genutzt wurde und 2014 endgültig abgerissen werde sollte. Ein Schicksal, wie es viele alte Bauernhäuser teilen.

Abgebaut wird es nun tatsächlich, allerdings nicht abgerissen: Sorgsam zerlegt und verpackt wird es vorerst sicher eingelagert und bekommt dann im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren eine neue Heimat, wo es rechtzeitig zum 500-Jahr-Jubiläum des Memminger Vertrages der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Honorarfreies Bildmaterial kann erfragt werden.

Kontakt Museum
Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren
Museumstraße 8 | 87758 Kronburg-Illerbeuren
Telefon: (0 83 94) 14 55 | Fax: (0 83 94) 14 54
info@bauernhofmuseum.de || www.bauernhofmuseum.de

Öffnungszeiten:

1. März bis 31. März 10–16 Uhr
1. April bis 15. Oktober 9–18 Uhr
16. Oktober bis 30. November 10–16 Uhr

Montags (außer an Feiertagen) und am Karfreitag geschlossen.

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